kontakt| switch to

chdeplites

22.01.2016

«Mein Lernwille wird geschätzt»

Am besten gefallen mir die freundliche Atmosphäre bei der Arbeit und das verständnisvolle Verhalten meiner Kollegen. Wir sind ein international zusammengesetztes Team. Es herrscht ein besonderes Ambiente, doch allen wird Achtung und Respekt für die eigene Kultur entgegengebracht.

Iwona Stelmaszczyk hat das Curaswiss-Programm im März 2015 in der Klasse Irchel mit dem Sprachaufenthalt in Berlin begonnen. Zurzeit absolviert sie im Rahmen des Advanced Course II das 12-monatige Pflegepraktikum im Herzkatheter-Labor einer Schweizer Klinik. Iwona schaut zurück und berichtet über ihre Erfahrungen und ihren Alltag.

Curaswiss: Was war bisher am schwierigsten im Curawiss-Programm?

Iwona Stelmaszczyk: Das Sprichwort „Aller Anfang ist schwer“ bewahrheitet sich. Im Programm ist jede Etappe eine Herausforderung. Richtiges Hochdeutsch habe ich zum ersten Mal in Berlin gehört. Ich hatte Mühe, mit meinen geringen Deutschkenntnissen die Menschen zu verstehen. Aber ich habe es geschafft, mit Eifer und Neugier meine sprachlichen Fähigkeiten zu verbessern. Auch die ersten Monate in der Schweiz waren schwierig. Während des einmonatigen Praktikums im Spital konnte ich kein Polnisch sprechen. Wenn ich etwas brauchte, war ich gezwungen, deutsch zu sprechen.

Vor 1 ½ Jahren sprachen Sie noch kein Deutsch. Jetzt haben Sie Level B2. Reichen diese Sprachkenntnisse für Ihre Arbeit im Spital?

Das Niveau B2 ist ausreichend, um sich mit Kolleginnen und Patienten auf einer Abteilung zu unterhalten. Es ist aber sehr wichtig, das Deutschniveau zu halten. Deshalb besuche ich nun einen weiteren Deutschkurs. Überhaupt, die Sprache zu lernen ist die grösste Herausforderung. Ich finde, wir sollten in der Anfangsphase des Curaswiss-Programms einen noch grösseren medizinischen Fachwortschatz vermittelt bekommen.

Haben Sie Tipps, wie man Deutsch am besten lernt?

Man muss sich der Herausforderung täglich stellen, sich überwinden und den Mut haben, zu sprechen und aktiv Gespräche zu führen. Es hilft auch, fertige Redewendungen auswendig zu lernen. Ich mache für mich selbst Vokabelkarteien mit neuen Wörtern und Redewendungen, die ich im Alltag mitbekomme.

Welches waren Ihre ersten Eindrücke vom Schweizer Gesundheitssystem und welches sind die grössten Unterschiede zu Polen?

Für die Grundversicherung bei der Krankenkasse muss man in Polen genau wie in der Schweiz Beiträge bezahlen. Die Zusatzversicherung aber muss man sich in Polen selber organisieren. Diese können sich – anders als in der Schweiz - nicht so viele Menschen leisten. Die Ansprüche gegenüber dem Krankenhaus sind in der Schweiz deshalb höher. Will man in Polen einen Spezialisten konsultieren, muss man teilweise sehr lange warten. In der Schweiz geht das, je nach Versicherungsklasse, schneller. Betreffend Ausstattung und Infrastruktur in den Krankenhäusern stelle ich zwischen den beiden Ländern keine grossen Unterschiede fest.

Worin unterscheidet sich die Arbeit als Pflegefachfrau in der Schweiz von Polen?

Hier arbeite ich im Herzkatheter-Labor - einer Abteilung der medizinischen Spezialgebiete. In Polen war mein Aufgaben- und Funktionsbereich ganz anders. Es ist darum kaum möglich, die Arbeit zu vergleichen. Allerdings ist in der Schweiz die Hierarchie zwischen den Berufsgruppen deutlich flacher. Ärzte und Pflegefachpersonen begegnen sich auf Augenhöhe. Man arbeitet in einem Team und niemand wird von oben herab behandelt. Jeder kennt seine Aufgaben und wird respektiert. Die Arbeit jeder Berufsgruppe wird geschätzt. Das gefällt mir sehr.

Wie sind die Arbeitskolleginnen und –kollegen in der Schweiz?

Meine Kollegen haben für meine Situation mit der Sprache Verständnis und akzeptieren, dass ich manchmal nicht die richtigen Worte finde. Ich muss enorm viele neue Informationen verarbeiten und mich konzentrieren. Das braucht Geduld bei meinen Gesprächspartnern. Ich werde aber nicht allein gelassen und bekomme regelmässig Feedback, durch das ich mich weiterentwickeln und verbessern kann. Ganz besonders schätze ich, dass meine Vorgesetzten immer Zeit für mich finden und mich im Umgang mit anspruchsvollen Situationen unterstützen. Sie sind interessiert an meiner Person und tun viel dafür, dass ich gute Bedingungen habe zum Leben und Lernen. Ich bin glücklich und dankbar, dass ich so gute Menschen auf meinem Weg getroffen habe. Das gibt mir Kraft für den Aufenthalt in einem fremden Land.

Was gefällt Ihnen am besten an der Arbeit in der Schweiz und was möchten Sie ändern?

Am besten gefallen mir die freundliche Atmosphäre bei der Arbeit und das verständnisvolle Verhalten meiner Kollegen. Wir sind ein international zusammengesetztes Team. Es herrscht ein besonderes Ambiente, doch allen wird Achtung und Respekt für die eigene Kultur entgegengebracht. Im Weiteren freue ich mich darüber, dass mein Lernwille geschätzt wird. Ebenfalls positiv finde ich, dass die Pause während der Arbeit immer respektiert wird. Während dieser Zeit kann ich die Abteilung verlassen und neue Kräfte sammeln.

Welche Ratschläge geben Sie Pflegefachpersonen, die das Curaswiss-Programm absolvieren möchten?

Wenn man in ein fremdes Land geht, muss man sich sehr bewusst sein, dass man seine Heimat verlässt. Es braucht grosse Entschlossenheit und einen starken Willen, um die Herausforderung zu bewältigen. Und wenn man sich entschlossen hat, darf man ich aufgeben. Man kann immer etwas lernen, das einen im Leben weiterbringt.

zurück